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Volker H. Schendel : Astrologie - Königin der Wissenschaften oder Schmuddelkind der Gesellschaft
 

Astrologie - Königin der Wissenschaften oder Schmuddelkind der Gesellschaft


Autor:

Volker H. Schendel

Seiten:

84

Preis:

6,50 EUR

Status:

Verfügbar


Aus dem Inhalt:
  • Astrologie - Königin der Wissenschaften oder Schmuddelkind der Gesellschaft - Vortrag gehalten am 22.11.2008 in Zürich
  • Lebenslauf von Paul Feyerabend
  • Wider den Methodenzwang
  • Erkenntnis für freie Menschen
  • Falsifikationismus
  • Logischer Empirismus
 
 
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biografie

Volker H. Schendel

(1949) Studium der Rechtswissenschaften in Tübingen. Zuletzt tätig als Referent beim Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft Technologie und Verkehr bis Ende 2004. Seit 2005 Doktorand mit dem Thema: "Die Astrologische Beratung – eine Herausforderung für die Rechtstheorie."
 
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leseprobe

Wissenschaft ist kein Garant für Wahrheit

Alle praktizierten Wissenstraditionen haben demokratisch den gleichen Anspruch auf Unterstützung.

In den universitären Fächern von heute gilt die Verwendung von Statistik allgemein als Kriterium von Wissenschaftlichkeit. Die Empirie, Datengewinnung wird regelrecht darauf zugeschnitten, wie sie sich am besten statistisch verrechnen lasse. Das heißt, eine Fragestellung, Forschungsidee, Theorie unterwirft sich den Maßstäben und impliziten Grundannahmen des statistischen Weltmodells und somit dem Diktat einer Rechentechnik. Wohl der bekannteste Forscher zu astrologisch — statistischen Zusammenhängen, Gauquelin ließ von vorneherein nur statistisch prüfbare Hypothesen zu. Dafür musste er jedoch die Bedeutungsfülle der astrologischen Symbole erheblich reduzieren, sie zu einfachen Merkmalslisten einengen. Mit ihrem Ja/ Nein — bzw. Plus/ Minus — Charakter können solche Listen dem astrologischen Symbolgehalt nicht mehr gerecht werden, gehen an Wesentlichem vorbei. Die Ganzheitlichkeit, Vielschichtigkeit schon eines einzelnen astrologischen Faktors geht verloren, der inhaltliche Bezug zum ganzen Horoskop (von dem ein Planet in seiner Position und Funktion ja integraler Bestandteil ist), bzw. zu Dingen wie Schicksal oder Sinn sowieso. Übrig bleibt eine Primitivastrologie, welche über das Niveau der Boulevardpresse, d.h. einen Unterhaltungs- und Belustigungswert, nicht hinausgeht.

Statistik ist unpersönlich, entindividualisierend, entmenschlichend. In ihr wird das Einzigartige, Individuelle, das Wertvollste, Höchste des Menschseins, nivelliert — und zwar schon im einfachen Balkendiagramm. Suggeriert wird Wissenschaftlichkeit, Objektivität, "Wahrheit", doch handelt es sich eigentlich um Zahlenspiegelei, um eine Gaukelei, denn bewiesen wird dadurch nichts. Über Zusammenhänge von Ursache und Wirkung wird keine Aussage getroffen.

Wie können dann Astrologen — die täglich mit solchen Urqualitäten, Urprinzipien umgehen — geistige Inhalte mit physikalischen Methoden, d.h. mit den Maßstäben ihrer Gegner messen wollen?

Diese Selbstaufgabe eines Kernstücks der eigenen Überzeugung ist in religiöser Terminologie nichts anderes als ein Glaubensverrat bzw. Götzendienst, eine Anbetung des goldenen Kalbs, eine Opferung des Allerheiligsten an fremdem Altar. Es kommt einem Abschneiden der eigenen Wurzeln gleich; existentiell läuft es auf eine Selbstvernichtung hinaus.

Statistische Methoden sind dort angebracht, wo es um eine erste Sichtung geht, wo in neu gewonnenem empirischen Material eine vorläufige Ordnung zu schaffen ist. Statistik eröffnet die Möglichkeit, nach vorgegebenen Kriterien Daten zusammenzufassen — per Computer erfolgt dies zudem noch recht schnell. Die jeder Forschung vorauszugehenden Hypothesen, das eigene Nachdenken und Überlegen kann sie jedoch keinesfalls ersetzen — geschweige denn eine Theorie beweisen. In der Öffentlichkeit herrscht noch weitgehend ein naives Bild von Wissenschaft. Mit dem Begriff "wissenschaftlich" verbindet man die Vorstellung einer gesicherter Erkenntnis, des absolut Richtigem. In Forschern und Wissenschaftlern vermutet man gerne unhinterfragt Seriosität, Redlichkeit, ein hohes Ethos. Dabei müsste eigentlich stutzig machen, dass die Halbwertzeit wissenschaftlicher Erkenntnisse immer geringer wird, angeblich gesicherte Theorien oft schon innerhalb einer Generation hochoffiziell "beerdigt" werden. Was als wissenschaftlich gilt oder anerkannt wird, ist in hohem Maße abhängig von historischen, kulturellen und soziologischen Faktoren. Das Etikett "wissenschaftlich" ist jedenfalls kein Garant für Objektivität, Rationalität oder gar Wahrheit.
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