ARTIKEL 1 VON 14

Über die Methode. Ein Dialog

Eine Verteidigung der Astrologie
Art.-Nr.: 199

Paul Feyerabend

Produktform:  Paperback
Seitenzahl:  85
Erscheinungsjahr:  2010
ISBN:  978-3-89997-199-6
Menge:
lieferbar Gewicht: 0.122 kg

Produktdetails

Feyerabend plädiert für eine Offenheit gegenüber anderen Lebensformen und wendet sich gegen gängige wissenschaftliche Meinungen über Astrologie. In diesem wenig bekannten Zwiegespräch über die Methode zeigt er auf, dass Wissenschaft nur eine von vielen verschiedenen Lebensformen und nicht notwendigerweise die beste ist. Am Beispiel der Astrologie zeigt er wie oberflächlich Wissenschaftler bei der Kritik von unangenehmen Ideen vorgehen.

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 Paul Feyerabend Paul Feyerabend (1924 - 1994) Philosoph und Wissenschaftstheoretiker. Er wandte sich gegen den orthodoxen Dogmatismus der Wissenschaft und verstand die abendländischen Vernunftkriterien als eine Alternative unter vielen.

Leseprobe

Das hängt ganz von der Einstellung ab.

A:Sie werden doch nicht die Astrologie verteidigen wollen!

B: Warum nicht, wenn die Angriffe inkompetent sind?

A: Gibt es nicht wichtigere Dinge?

B: Das hängt ganz von der Einstellung ab. Für manche Leute ist die Astrologie ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Andererseits ist die Astrologie ein gutes und relativ einfaches Beispiel dafür, wie oberflächlich Wissenschaftler bei der Kritik von unangenehmen Ideen vorgehen und das Beispiel lehrt uns Vorsicht in anderen, und wichtigeren Fällen ...

A: Sie tun so, als gäbe es im Fall der Astrologie noch etwas zu diskutieren. Aber seit das geozentrische Weltbild durch die moderne Astronomie ersetzt worden ist, hat doch die Astrologie alle Daseinsberechtigung verloren! Die Astrologie nimmt an, dass die Erde im Zentrum der Welt ruht und dass sich alle Gestirne um sie bewegen. Diese Annahme war einmal ganz plausibel. Heute wissen wir, dass sie falsch ist. Die Astrologen haben davon keine Kenntnis genommen, sie sind wissenschaftliche Analphabeten, die ihren öden Aberglauben ohne Rücksicht auf neue Entdeckungen weiter betreiben, den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen, leichte Vorhersagen anstelle verantwortlicher Entschlüsse setzen und so die Menschen des kostbarsten Gutes berauben, das sie besitzen, nämlich der Fähigkeit in Freiheit und Verantwortlichkeit über ihr Leben zu entscheiden.

B:Lieber Himmel, Ihr Rationalisten werdet ja geradezu lyrisch, wenn Ihr Religionen angreift, die der Euren widersprechen ...

A: Lyrisch oder nicht – habe ich mit meinen Bemerkungen nicht recht?

B: Haben Sie schon einmal von Johannes Kepler gehört?

A: Natürlich — ein ganz hervorragender Astronom.

B: Wissen Sie, daß er auch Horoskope ausgestellt hat?

A: Weil er Geld verdienen mußte!

B: Daß er Abhandlungen zur Verteidigung der Astrologie geschrieben hat?

A: Das kann er doch nicht ernst gemeint haben?

B: Ja warum denn nicht?

A: Aber hat denn Kepler nicht an der Verbesserung der Kopernikanischen Astronomie gearbeitet?

B: Ganz sicher hat er das — er war einer der hervorragendsten Kopernikaner seiner Zeit und dennoch hat er die Astrologie nicht nur praktiziert, sondern auch verteidigt und mit empirischen Argumenten gestützt.

A: (sieht verstört drein)

B: Well, Sie brauchen mir nicht zu glauben — hier, lesen Sie Kepler selbst, seine Warnung an die Gegner der Astrologie, herausgegeben von Fritz Krafft, einem sehr bekannten Wissenschaftshistoriker — und hier habe ich ein anderes Buch von Norbert Herz, Keplers Astrologie, das die Keplerschen Ideen auf dem Gebiet der Astrologie im Detail beschreibt.

A: In gewisser Hinsicht kann ich das schon verstehen — die Physik der Zeit war ja sehr zurückgeblieben ...

B: Das war nicht Ihr Argument. Sie sagten, daß die neue Astronomie der Astrologie den Boden unter den Füßen wegzieht und sie in einen Aberglauben verwandelt, und da ist der hervorragendste neue Astronom, der hervorragendste Verteidiger der neuen Lehre, und er läßt nicht nur die Astrologie nicht fallen, er verteidigt sie, er verbessert sie, er sammelt empirische Argumente für sie ...

A: Ich gebe zu, ich war etwas voreilig, aber irren ist schließlich menschlich ...

B: Das war nicht Ihre Einstellung zu Beginn dieser Unterhaltung! Verflucht haben Sie die Astrologen als ob hier ein großes intellektuelles Verbrechen vorliege und nun stellt sich heraus, daß die Ignoranz oder, um Ihre eigene lyrische Sprache zu verwenden, die Verantwortungslosigkeit und der Aberglauben bei Ihnen liegt.

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