ARTIKEL 1726 VON 1953

Astrologie und Narration in Wolfram von Eschenbachs Parzival

Wolfram von Eschenbach bringt die Quintessenz astrologischer Lehre summarisch zum Ausdruck
Art.-Nr.: 3847

Bianca Schmale

Produktform:  Hardcover, 14 zum Teil farbige Abbildungen
Seitenzahl:  148
ISBN:  978-3-8370-7346-1
EAN:  9783837073461
Menge:
Sofort lieferbar
Lieferfrist 3-4 Tage
Gewicht: 0.395 kg
-->

Produktdetails

Eine interessante Betrachtung zum Parzival von Wolfram von Eschenbach. Neben der Textanalyse der mittelhochdeutschen Versdichtung bietet die Arbeit ebenso einen Streifzug durch die mittelalterliche Philosophie und Kosmologie. Interessant ist die Einführung in den astrologischen Kontext und die Abstecher zur Geschichte der Astrologie. Die Kunst der Sterndeutung wird bei Wolfram von Eschenbach nicht nur bis in die Anfänge der Menschheit zurückverlegt, sondern, was viel bedeutsamer ist, als direkte Verknüpfung zu Gott dargestellt. Wolfram von Eschenbach bringt die Quintessenz astrologischer Lehre summarisch zum Ausdruck. Was die Planeten durch ihren Lauf anzeigen, das wird einem als Schicksal zuteil.

Autorenporträt

Alle Bücher dieses Autors

 Bianca Schmale Bianca Schmale (1969), Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie. 1993 Gründung eines Unternehmens im Bereich Direktmarketing. Seit 1997 intensive Beschäftigung mit Astrologie.

Leseprobe

Saturn-Deutung in der mittelalterlichen Astrologie


Unter dem Einfluss des Neuplatonismus gewinnt auch das Kronos-Saturn-Bild eine Aufwertung. Nach der Emanationslehre fließt das All-Eine stufenweise bis in die materielle Welt hinab, wie in Kapitel 3.3 dargestellt. Da auch die Gestirne in dem All-Einen ihren Ursprung haben, können sie nicht von Übel sein. „Denn in Wahrheit sind alle Gestirngottheiten insgesamt gut und Urheber des Guten, da sie, alle in gleicher Weise nur auf das Gute hinblickend, nach dem Guten und Schönen allein ihre Bahnen vollenden“ ... „Die Schöpfung dagegen nimmt, da sie selbst vielgestaltig und aus verschiedenartigen Teilen zusammengesetzt ist, infolge der ihr eigenen Grundsätzlichkeit und Zerspaltung das Einheitliche und voneinander nicht Verschiedene dieser Energien nicht ohne Widerstreit und nur geteilt in sich auf“. Kronos-Saturn wird im Neuplatonismus wieder zum Götter-Vater der höchsten Himmelssphäre. Nach Plotin wird Kronos-Saturn mit dem reinen Geist (nous) gleichgesetzt. Dies korrespondiert auch mit dem aristotelischen Bild, nach dem das räumlich Höhere auch das metaphysisch Wertvollere ist. Kronos-Saturn als All-Vater und Weltbaumeister, als menschenfreundlicher Gott, unter dessen Herrschaft Zufriedenheit, Bescheidenheit, Gesetzlichkeit und Recht herrschen.

Der neuplatonische Gedanke vom Aufstieg der Seele und die Lehre des Ambrosius von den sieben Gaben des Heiligen Geistes verschmolz durch Alexander Neckam mit der Siebenzahl der Planeten. Saturn bekam dabei die Gabe der Weisheit zugeordnet, analog zu Alter und Reife und gemäß dem positiven neuplatonischen Saturn-Bild.

Die astrologischen Schriften, die zwischen 1120 und 1180 aus dem Arabischen über Spanien nach Europa gelangten, waren Grundlage philosophisch-theologischer Diskussion eines nur zahlenmäßig kleinen Gelehrtenkreises, in dessen Folge die Kirche Kompromisse mit der Astrologie schloss, wie in Kapitel 2.3 behandelt.

Ab dem 10. Jahrhundert hielten auch die Planetenkinder-Vorstellungen in Europa Einzug. Bilder, die auch der Laien- und Alltagswelt zugänglich waren, in der kaum jemand in der Lage war, ein Horoskop zu erstellen. So wurde der Geburtsstern über den Zahlenwert des Namens ermittelt, der, wenn er durch sieben dividiert eine fünf ergab, den Geborenen zum Saturnkind erklärte.

In den bildhaften Darstellungen findet man Saturn mit einer Sichel und einem sich in den Schwanz beißenden Drachen dargestellt, womit der zeitliche Aspekt des Kronos als Chronos ausgedrückt wird, als Zeitenherrscher. Daneben erscheinen die Tierkreissymbole, denen Saturn zugeordnet ist: Steinbock und Wassermann. Als Saturnkinder finden sich Leute, die Acker- und Landbau betreiben, Gerber, Steinmetze, Geldzähler, Geizige, Wandersleute, Alte, Gehängte, Gefesselte, Versehrte, Gebeugte sowie, wenn auch vereinzelt, Geometer und Philosophen.

Die bildlichen Darstellungen Saturns gingen aus den literarischen Überlieferungen hervor. Bei Abû Ma´šar findet sich so das traditionell düstere Bild Saturns: Seine Natur ist trocken, kalt, bitter, heftig, rauh, schwarz und dunkel. Er weist hin auf Werke des Ackerbaus, des Landbaus, des Besitzes von Landgütern, auf Arbeiten an Ländereien, Bauten an Gewässern und Flüssen, auf das Abmessen von Dingen und Teilen von Ländereien, auf Vermögen, Reichtum und Geiz aber auch auf bittere Armut. Er verweist auf lange Reisen und Abwesenheit, Verbannung, fremd sein, auf Einsamkeit und Ungeselligkeit, auf Verharren auf einem Wege, auf ein In-sich-Zurückgezogensein, auf Haft, Gefangenschaft, Fesselung, auf ein hartes Leben, Bedrängnis, Enge, Verlust, Todesfälle, Verwaistheit, auf alte Dinge, Großväter, Väter, Greise. Saturn wird aber auch mit den Eigenschaften der Bedächtigkeit, Besonnenheit, des Verstehens, Prüfens und Erwägens, des Denkens und langen Nachdenkens und der Aufrichtigkeit in Verbindung gebracht. Und gleich daneben findet sich das genaue Gegenteil: Bosheit, Gewalt, Tyrannei, List, Betrügerei, Treulosigkeit. Was ganz entscheidend zu Saturn gehört, aber zur Zeit Abû Ma´šars noch nicht so genannt wurde, ist die Melancholie. So weist er hin auf Einsamkeit, Verschlossenheit, „auf Geheimnisse, während keiner weiß, was in ihm ist und er es auch nicht zeigt, wissend von jeder dunklen Angelegenheit. Er zeigt hin auf Selbstvernichtung und Fragen der Langeweile“. Ein solches Saturn-Bild findet sich ähnlich bei Alcabitius, Vettius Valens, Dorotheos und Michael Scotus. Bis ins ausgehende Mittelalter hinein bilden ihre Schriften die Quellen für im Mittelalter entstehende Texte und Darstellungen Saturns.

Seit Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks, die einer Kulturrevolution gleich kann, wurden nun auch astrologische Schriften in großer Zahl verbreitet. „Bei der ungeheuren Macht, mit der seit dem 12./13. Jahrhundert die Astrologie in West-, Süd- und Mitteleuropa um sich gegriffen hatte, ist es verständlich, wenn sich unter den ersten Druckwerken viele Bücher auch astrologischen Inhalts befinden“. Im ausgehenden Mittelalter sind volkstümliche Planetenbücher in deutscher Sprache vielfach zu finden, wobei es sich hier zumeist um eine vereinfachte und abergläubische Laienastrologie handelt, die mit der gelehrten Astrologie des Mittelalters nichts zu tun hat.

Ein anderer Aspekt der mittelalterlichen Astrologie ist die Verknüpfung von Astrologie und Medizin. In Abbildungen der sogenannten „Aderlaßmännchen“ werden den Körperregionen und Organen die Tierkreiszeichen und mit ihnen die Planetenherrscher zugeordnet. Dem Tierkreiszeichen Steinbock (Saturn) werden auf der körperlichen Ebene die Kniee, Knochen, das Skelett zugeordnet, an inneren Organen die Milz und von den Körpersäften die schwarze Galle.

Wolfram hat zu gedruckten und deutschsprachigen Texten keinen Zugang gehabt, da diese erst nach seiner Zeit entstanden sind, das Saturn-Bild aber war in Quellentexten oder mündlicher Tradierung präsent.

Bei der Saturn-Vorstellung bleibt der mythische Hintergrund aus griechischen, römischen und orphischen Einflüssen unverkennbar, die in ihrer Verquickung mit Naturphilosophie, Medizin, Physiognomik, Charakterlehre und der Sammlung empirischer Beobachtungen das ambivalente Bild Saturns nicht aufzulösen vermochten, wobei die negativen Attribute überwogen.

Was unsere Kunden über dieses Produkt sagen:

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.
Es liegen keine Kommentare zu diesem Artikel vor.

Warenkorb

Summe Artikel (netto) 0,00 €
Summe Artikel (brutto) 0,00 €
Gesamtsumme 0,00 €
Zum Warenkorb
Zur Kasse

News

  • Der aktuelle Katalog Februar 2019
    Weiter
  • Astro-Sudoku
    Weiter
  • Merkur rückläufig Kalender 2019
    Weiter
  • Artikel: Erste Schritte in ein neues Leben
    Weiter
  • Monika Heer -Neptunwelten
    Weiter

Postkarten

Bitte klicken auf die Bilder um die Postkarte im Detail zu sehen.

Bestellen

Trusted Shops Kundenbewertungen für astronova.de: 4.82 / 5.00 von 249 Bewertungen.
* zzgl. Versandkosten