Kritik der astrologischen Vernunft

Eine Klärung des Anspruchs der Astrologie - Antworten der Astrologie an ihre Kritiker
Art.-Nr.: 1757

Dieter Koch

Produktform:  Paperback, 2. stark erweiterte Auflage
Seitenzahl:  198
ISBN:  3-931806-04-9 / 978-3-931806-04-0
EAN:  9783931806040
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Produktdetails

Der wortspielerische Titel des Buches lässt aufhorchen. Die Befürchtungen, dass es sich um eine Doktorarbeit in höherer Philosophie handelt sind allerdings nicht berechtigt. Dieter Koch befasst sich mit durchaus bedeutungsvollen Inhalten, es gelingt ihm aber, diese seinem Leser in einer allgemein verständlichen Sprache näher zu bringen. Sehr interessant ist der Abriss über das Verhältnis der Astronomen zur Astrologie. Anhand überzeugender Beispiele zeigt er, dass entgegen dem selbst gesetzten Anspruch der Sachlichkeit bei den Kritikern in erster Linie der Aberglaube an das eigene (bessere) Wissen vorherrscht. Der Leser bekommt auch eine Liste der wichtigsten Vorurteile gegen die Astrologie. Ebenso aufschlussreich ist die Frage nach der Funktionsweise der Astrologie. Hier untersucht er die möglichen Erklärungsansätze und erarbeitet ein Modell, wie Astrologie tatsächlich funktioniert. Dieter Koch ist kein blinder Verfechter der Astrologie und aller ihrer Erscheinungsformen. Er geht recht kritisch um mit manchen herrschenden Vorstellungen. Aber es tut gut, endliche eine fundierte und sachliche Auseinandersetzung mit den in diesem Buch behandelten Fragen in der Hand zu haben.

Autorenporträt

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 Dieter Koch Dieter Koch (1959) Studium der Philosophie mit Schwerpunkt auf griechischen und alt-indischen Texten, setzt sich seit 1988 intensiv mit der Astrologie auseinander. Betreibt astrologische Grundlagenforschung und schreibt regelmäßig in astrologischen Fachzeitschriften. Tätig in der Programmentwicklung für astrologische Software.

Leseprobe

Astrologie ist Erfahrungswissen

In Lexika werden wir finden, dass z.B. das Wort „Biologie“ aus dem Griechischen kommt und „Lehre vom Leben“ heißt; „Geologie“ heißt „Lehre von der Erde“, „Paläontologie“ „Lehre von den Lebewesen alter Zeit“ oder „Theologie“ „Lehre von Gott“.

Entsprechend ist die Astrologie offensichtlich die „Lehre von den Gestirnen“. Damit wird nun die Frage aufgeworfen, warum denn eigentlich nicht die Astronomie den Namen Astrologie erhalten hat! „Astronomie“ bedeutet wörtlich die Wissenschaft von den „Gesetzen der Sterne“ (von griech. nomos, „Gesetz“), womit natürlich die mathematischen und physikalischen Gesetze der Vorgänge am Himmel gemeint sind. Die Bezeichnung „Astronomie“ ist also zwar durchaus treffend für die so genannte Wissenschaft, aber es ist ziemlich klar, dass die Astronomie heute als „Astrologie“ bezeichnet würde, wenn es keine Astrologie gäbe oder wenn man die Astrologie etwa „Astromantie“ genannt hätte, also „Sternweissagung“. „Astronomie“ ist offensichtlich ein Ausweichbegriff.

Warum also heißt die Astronomie nicht „Astrologie“? Warum hat diesen Namen die Sterndeuterei erhalten und wurde die Astronomie „Astronomie“ getauft? Ganz einfach aus dem Grunde, weil die Astronomie bis in die Zeit der Renaissance als eine Hilfswissenschaft der Sterndeuterei galt und weil sie eigentlich aus der Astrologie hervorgewachsen ist. Oder wie man auf lateinisch sagte: astronomia est ancilla astrologiae, „die Astronomie ist die Magd der Astrologie“. Die Wissenschaft von den Gestirnen war in erster Linie Astrologie, die Gestirne interessierten den Menschen in erster Linie aus astrologischen Gründen. Man wollte wissen, was der Himmel über das menschliche Schicksal aussagte. Physikalische und mathematische Gesichtspunkte waren zwar ebenfalls wichtig, aber trotzdem sekundär. Um Bewegungen der Gestirne deuten zu können, war es sehr hilfreich und bis zu einem gewissen Grade auch notwendig, dass man ihre Bewegungen verstand und auch berechnen konnte. Aber der Sinn der Berechnung lag nicht in der Berechnung selbst oder in irgendwelchem Wissen über die Himmelskörper an sich, so wie scheinbar in der heutigen Astronomie, sondern in der astrologischen Deutung. Deshalb war die Astronomie nur eine Teildisziplin der Astrologie.

Die Grenzen zwischen der Astronomie und der Astrologie waren dabei lange unscharf. Das wissenschaftliche Verstehen von Vorgängen am Himmel und die astrologische Interpretation dieser Vorgänge: beides wurde oft von ein und denselben Leuten praktiziert. Noch der berühmte Astronom Johannes Kepler, der das heliozentrische Sonnensystem mit seinen elliptischen Planetenbahnen erstmals mathematisch in den Griff bekam, betätigte sich intensiv auch als Astrologe. Keplers Beschäftigung mit der Astrologie wird von den Astronomen zwar stets heruntergespielt und ausschließlich mit seiner finanziellen Not erklärt. Eines besseren belehrt uns aber Kepler selbst in seiner 1610 erschienenen Schrift Tertius Interveniens. Sie trägt den Untertitel: „Warnung an etliche Theologos, Medicos und Philosophos ..., dass sie bey billicher Verwerfung der Sternguckerischen Aberglauben nicht das Kindt mit dem Badt außschütten und hiermit ihrer Profession unwissendt zuwider handlen“. In der Inhaltsangabe dieser Schrift liest man: „Eygentliches fürhaben dieser Schrifft: dass nemlich in der Astrologia viel grosser Geheymnussen der Natur verborgen liegen“.

In einem Brief an Wallenstein schreibt Kepler 1625: „Die Philosophie und also auch die wahre Astrologie ist ein Zeugnis von Gottes Werken und also ein heilig und gar nicht ein leichtfertig Ding, das will ich meines Teils nicht verunehren.“ Auch ein Blick in Keplers Werk Das Weltgeheimnis macht deutlich, dass seine Interessen weit über das hinausgingen, was die heutige Astronomie für akzeptabel hält. In der Hierarchie der Wissenschaften hatte die Sternenwissenschaft immer schon eine Spitzenstellung inne. Bereits bei Aristoteles, also Jahrhunderte vor Christus, tritt sie auf als ein zentraler Teil der Theologie, welche den Kern der aristotelischen Metaphysik darstellt. Die Gestirne waren nach seiner Ansicht ewige göttliche Wesen, welche die von Gott ausgehenden Bewegungsimpulse aufnahmen und der Reihe nach an die Erdenwelt weitervermittelten. Gott galt als der erste Beweger von allem, der selbst von nichts anderem bewegt wurde. Zuallererst setzte er den Fixsternhimmel in Bewegung. Von da aus ging die Bewegung an die übrigen Planetensphären weiter, vereinfacht gesagt, über Saturn, Jupiter, Mars, die Sonne, Venus, Merkur und den Mond bis zu uns Erdenbewohnern. Dieser Bewegungsübermittlung allein verdanken wir nach Aristoteles‘ Ansicht, dass sich auf der Erde überhaupt irgend etwas bewegt.

An dieser hohen Bedeutung der Sternenwissenschaft, an ihrer zentralen Stellung in der Theologie, hat sich auch bis an die Schwelle der Neuzeit nichts geändert. Wie sonst wäre es möglich gewesen, dass im ausgehenden Mittelalter Wissenschaftler für neue Erkenntnisse astronomischer Natur gefoltert, getötet und öffentlich verdammt wurden, und zwar gerade von Vertretern der Theologie. Das ganze Mittelalter hindurch, könnte man überspitzt sagen, war der Papst der oberste Astronom, und wer seine Autorität in diesem Fach in Frage stellte, der erschütterte, wie man meinte, den christlichen Glauben im innersten Kern. Die Erkenntnis, dass die Erde rund ist, dass sie um die Sonne kreist und nicht in der Mitte des Universums steht, schließlich, dass nicht einmal die Sonne im Zentrum des Universums steht, sondern dass es noch viele andere Sonnen gibt – solche Erkenntnisse gingen Hand in Hand mit einem gewaltigen Umbruch in unserer Religiosität. Der Mensch stand nicht mehr im Zentrum der Weltgeschichte, und Gott, wenn es ihn gab, hatte in einem Universum, in dem es nicht nur ein Sonnensystem, sondern vermutlich Milliarden von Sonnensystemen gibt, womöglich Wichtigeres zu tun, als sich um unsere verschwindend kleinen Anliegen zu kümmern. In den unermesslichen Weiten des Universums ist die Menschheit geradezu verlorengegangen, und es ist offensichtlich, dass wir heute noch darunter leiden. Zumindest der in der abendländischen Kultur verwurzelte Mensch leidet unter dem Fehlen von Sinn in seiner Existenz.

Auch heute noch hat die Frage, ob man an die Astrologie „glaubt“ oder nicht, geradezu religiösen Charakter. Auch wenn aus der Sicht des Astrologen die Astrologie nicht eine Frage des „Glaubens“, sondern des Erfahrungswissens ist, so hat doch eine „Bekehrung“ zur Astrologie nicht geringe weltanschauliche Konsequenzen. Um diese besser verstehen zu können, ist es hilfreich zu untersuchen, wie es zur Trennung der beiden Zwillingswissenschaften, der Astronomie und der Astrologie, kam, und wie es dazu kam, dass heute nur noch die Astronomie anerkanntermaßen den Status einer echten Wissenschaft innehat. Der Grund dafür liegt letztlich in der weltanschaulichen Revolution, die zum Zeitalter der Aufklärung und zur Begründung der modernen Wissenschaften geführt hat.

Im Zeitalter der Aufklärung ging es im wesentlichen um die Emanzipation des Menschen von der kirchlichen und weltlichen Obrigkeit. Der Mensch entschloss sich, nicht mehr so sehr an die Richtlinien der Priester und der Könige zu glauben als vielmehr an die Allmacht seiner eigenen Vernunft. Dies hatte weitreichende weltanschauliche Folgen. Eine davon war ein beispielloser Siegeszug des kausalistischen Weltbildes, also des Glaubens, dass die Weltgeschichte und überhaupt alles in der Welt sich in strengen Zusammenhängen von Ursachen und Wirkungen vollziehe. Wer die Allmacht der Vernunft fordert, muss auch fordern – so glaubte man zumindest –, dass das ganze Universum sich an das Gesetz von Ursache und Wirkung hält. Das Zeitalter der Vernunft, in dem wir uns immer noch befinden, wurde deshalb ein Zeitalter der Herrschaft der Kausalität. Für die Astrologie bedeutete dies das Ende ihrer Existenz als anerkannte Wissenschaft. Offenbar hielt sie den Ansprüchen des kausalen Denkens nicht stand.

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